Digitale Souveränität

Warum Digitale Souveränität mehr ist als nur rechtliche Konformität

Was bedeutet digitale Souveränität?

Kaum ein Begriff wurde in der digitalen politischen Debatte der letzten Jahre so oft neu definiert und interpretiert wie „digitale Souveränität“. Die Interpretationen reichen von der Nutzung von Open-Source-Software bis hin zu Franchise-Vereinbarungen mit Technologiekonzernen, deren Geschäftsmodell auf Abhängigkeit durch proprietäre Software beruht. Diese Vielfalt an Deutungen ermöglicht es Unternehmen, den Begriff als Aushängeschild zu nutzen, erschwert jedoch die rationale Bewertung von digitalen Angeboten für Regierungen, Institutionen, Unternehmen und Einzelpersonen.

Dieser Artikel soll den Begriff der digitalen Souveränität entmystifizieren, die verschiedenen Dimensionen beleuchten und einen Rahmen schaffen, um digitale Angebote jenseits von Schlagwörtern zu bewerten.

Was ist Souveränität?

Im Kern bedeutet Souveränität „höchste Autorität innerhalb eines Territoriums“ (Philpott, 2020). Im digitalen Zeitalter erweitert sich dieser Begriff auf Ressourcen wie menschliche Infrastrukturen und digitale Prozesse.

Bereits 2018 definierte der „Digital-Gipfel“ digitale Souveränität wie folgt:

„Die Fähigkeit, digitale Systeme zu nutzen und zu gestalten, Selbstbestimmung über aggregierte und gespeicherte Daten sowie über die damit verbundenen Prozesse.“

Um digitale Souveränität zu fördern, müssen wir ihre Dimensionen genauer betrachten.

Die Dimensionen der digitalen Souveränität

  1. Rechtliche Dimension
    Digitale Souveränität umfasst die Fähigkeit, Regeln für digitale Lösungen zu definieren und durchzusetzen. Ein Beispiel hierfür ist die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU, die Transparenz und Kontrolle über personenbezogene Daten gewährleisten soll. Doch Herausforderungen wie das Schrems-II-Urteil und Abhängigkeiten von außereuropäischen Cloud-Anbietern zeigen, wie wichtig es ist, über die reine Rechtskonformität hinauszugehen.
    Franchise-Vereinbarungen mit lokalen Betreibern versuchen, diese Probleme zu lösen, gewährleisten jedoch oft keine echte Selbstbestimmung und Transparenz.

  2. Entscheidungsfreiheit
    Technologische Abhängigkeiten entstehen oft durch proprietäre Schnittstellen und Plattformen. Dies erschwert einen Anbieterwechsel, da die Kosten für den Umstieg oft prohibitiv hoch sind. Durch offene Standards und Open-Source-Software lassen sich solche Abhängigkeiten reduzieren, da sie Interoperabilität und Flexibilität ermöglichen.

  3. Technologische Dimension
    Proprietäre Lizenzen und Vendor-Lock-ins schränken die technologische Selbstbestimmung ein. Open-Source-Software bietet durch Transparenz, Peer-Review und Anpassbarkeit eine Grundlage für technologische Souveränität. Diese erfordert jedoch aktive Communities und Know-how, um nachhaltig genutzt werden zu können.

  4. Kompetenzdimension
    Software allein reicht nicht aus – es braucht Fähigkeiten, um sie sicher und qualitativ hochwertig zu betreiben. Der Aufbau und die Weitergabe von Wissen sind daher entscheidend. Analog zur Open-Source-Bewegung muss auch betriebliches Wissen offener geteilt werden, um die Resilienz zu stärken und echte digitale Souveränität zu erreichen.

Die Rolle des Sovereign Cloud Stack (SCS)

Der Sovereign Cloud Stack setzt digitale Souveränität in die Praxis um, indem er offene Standards, Open-Source-Implementierungen und transparente Betriebspraktiken kombiniert. Er vereinfacht die Bereitstellung sicherer und qualitativ hochwertiger Cloud-Dienste, reduziert Abhängigkeiten und fördert die Zusammenarbeit. SCS gewährleistet die Einhaltung europäischer Datenschutzstandards wie der DSGVO.

Wichtige Beiträge zur digitalen Souveränität

SCS definiert und unterstützt offene Standards, um Interoperabilität zu gewährleisten und Vendor-Lock-ins zu vermeiden.

Mit den Prinzipien der „Four Opens“ sorgt SCS für Transparenz, Anpassungsfähigkeit und langfristige Nachhaltigkeit.

SCS schafft eine Kultur des Wissensaustauschs, um die kollektive Fähigkeit zur Bereitstellung souveräner Lösungen zu stärken.

Bibliografie

  1. Oppenheim, L. (1912). International Law. A Treatise. Volume I.
  2. Philpott, D. (2020). Sovereignty. Stanford Encyclopedia of Philosophy.
  3. Digital-Gipfel. (2018). Digitale Souveränität in einer vernetzten Gesellschaft.
  4. Riehle, D. (2013). The Unstoppable Rise of Open Source. IT Information Technology.